Beirat im Interview: Dr. Thomas Wadenspuhl

Dr. Thomas Wadenspuhl war bis 2023 Leiter des Nationalparks Schwarzwald. Heute bringt er seine Erfahrung als Mitglied unseres Beirats ein. Wir haben ihm sieben Fragen zu seiner Motivation, seinen Erfahrungen und Empfehlungen rund um die Wiederherstellung von Ökosystemen gestellt.

Sie engagieren sich für die Wiederherstellung von Ökosystemen – bitte erklären Sie Ihre Motivation in einem Satz.

Intakte Ökosysteme mit ihren Ökosystemdienstleistungen sind für uns Menschen die einzige nachhaltige menschenwürdige Lebensversicherung, die wir haben.

Worin sehen Sie die größten aktuellen Handlungsbedarfe bei der Wiederherstellung von Ökosystemen?

Genügend Wissen für die Wiederherstellung von Ökosystemen ist vorhanden. Es fehlt am Handeln, am Tun.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden auf dem Weg zur Wiederherstellung?

Fehlende mutige politische Entscheidungen, fehlende Demut der Menschen, Egoismus der Nationalstaaten, um gegen den Verlust der Biodiversität und gegen den Klimawandel einzuschreiten.

Wie sollten wir als Land diesen Hürden begegnen?

Ziel muss es sein, mehr Entscheidungsfreiheit und Lebensqualität unseren Kindern und Enkelkindern zu hinterlassen,

  • durch Priorisierung des Allgemeinwohles vor den Einzelinteressen von Staaten und Individuen,
  • durch mutige politische Entscheidungen für Humanismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit,
  • durch Kreativität, Ideen und mutige Innovationen,
  • durch eine schnelle Transformation in eine Welt mit erneuerbaren Energien, mit der Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energien und einem ganzheitlichen Blick für die Welt an sich.

… und wo liegen die größten Chancen?

Im UND statt dem Entweder Oder. Und darin, ein fröhlicher, aber hartnäckiger Anwalt der Schöpfung und sozialen Gerechtigkeit zu sein.

Was kann jede*r Einzelne dazu beitragen, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen gelingt?

Sich die folgenden drei persönlichen Fragen zu stellen:

  • Wieviel ist für mich genug?
  • Wie und wo kann ich mich für das Allgemeinwohl engagieren?
  • Wie kann ich mich konkret gegen jeglichen Populismus und Rassismus wehren?

Welche Botschaft möchten Sie allen mitgeben, die sich für Wiederherstellung einsetzen?

Es braucht Mut zum persönlich gelingenden Leben und zur Bergpredigt.

Zum gelingenden Leben gehören Lebensfreude, Lachen, Humor, im Jetzt leben sowie mit einem Auge in die Zukunft gerichtet.

Es gehören außerdem dazu: eine Prise Nachhaltigkeit, Altru-Ego­ismus und Solidarität mit Verantwortung füreinander und sich gegenseitig zu helfen.
Es geht dabei nicht nur um die Fürsorge der Schwachen, sondern um ein gegenseitiges Einstehen aller füreinander und für das Ganze - also auch um ein echtes Prinzip, das zum Aufbau solidarischer Situationen verpflichtet.

Solidarität beginnt, wo alle das ihre tun. Sie beginnt mit Mut zur Unvollkommenheit. Mut zur Mehrdeutigkeit. Mut zum UND. Mut zur persönlichen Urteilsfähigkeit. Mut zur persönlichen Entscheidung. Mut zur persönlichen Positionierung. Mut zur Ethik der Zurückhaltung. Mut zum Wandel und Handeln.

Klar ist auch: Ohne viel Spaß und Lebensfreude gibt es kein gelingendes Leben im Jetzt und für die Zukunft.

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