
Projekt im Interview: Bielefelder Netz für Blütenbesucher (BieNe)
Mit dem Projekt "BieNe" wollen die Biologische Station Kreis Paderborn - Senne und der Naturwissenschaftliche Verein für Bielefeld und Umgegend die Situation blütenbesuchender Insekten im Bereich der Stadt Bielefeld und in der näheren Umgebung verbessern. Dabei steht die Motivation und Beratung von Gartenbesitzer*innen und alle anderen Personen oder Einrichtungen, die über Grünflächen verfügen, im Fokus.
Peter Rüthe von der Biologischen Station Kreis Paderborn gibt im Interview Einblicke hinter die Projektkulissen.
Worum geht es in Ihrem Projekt genau?
Mit den Maßnahmen des Projektes „BieNe“ soll der Siedlungsbereich der Stadt Bielefeld und der näheren Umgebung für Insekten verbessert werden, indem ein Netz (BieNe = Bielefelder Netz) von Flächen geschaffen wird, auf denen nach einer Beratung durch Projektpersonal insektenfördernde Maßnahmen umgesetzt werden. Die Beratung und fachliche Begleitung von Flächeneigentümer*innen bildet den Kern des Projektes. Durch begleitende Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit wollen wir aber auch die Bielefelder Bevölkerung allgemein für das Problem des Insektenrückgangs sensibilisieren und zu eigenem Handeln im privaten oder beruflichen Umfeld motivieren.
Ihr Projekt richtet sich unter anderem an die Bürger*innen von Bielefeld. Was sind die wichtigsten Tipps für alle, die sich für Biene & Co. engagieren möchten?
Unsere Projekt-Philosophie ist, dass man auch auf kleinen Flächen mit wenigen Maßnahmen, die nicht besonders aufwändig sind, viel für blütenbesuchende Insekten erreichen kann. Dabei sollte man beachten, dass Insekten nicht nur Nahrung brauchen (z.B. Nektar und Pollen, am besten von heimischen Wildstauden und Gehölzen), sondern dass vor allem Wildbienen auch auf geeignete Nistmöglichkeiten angewiesen sind, die man etwa mit Totholz, kleinen Sandflächen oder künstlichen Nisthilfen bieten kann. Und wer keinen eigenen Garten hat, kann auch auf einem Balkon Einiges für Insekten tun.
Oft befinden sich auf Unternehmens-Standorten Flächen, die viel Lebensraumpotential für Insekten bieten. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen dem Projekt und Unternehmen in Bielefeld ab?
Bisher haben wir im Projekt „BieNe“ vor allem mit Privatpersonen, Kleingartenvereinen und Schulen zusammengearbeitet. Es haben sich aber auch schon mehrere Unternehmen an uns gewandt, die ihre Betriebsflächen verbessern wollen. Diese Unternehmen sind sehr interessiert. Zu einem späteren Zeitpunkt des Projektes wollen wir Kontakte zu weiteren Unternehmen aufnehmen., weil manche Unternehmen über große Flächen verfügen, die viel Potential haben.
Auch auf städtischen Flächen ist das Projekt aktiv. Was wird dort genau gemacht?
Mit dem Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld arbeiten wir gemeinsam an Maßnahmen zur Insektenförderung auf städtischen Friedhöfen. So wurde etwa im Jahr 2025 auf dem Waldfriedhof in Bielefeld-Sennestadt eine Übertragung von Heide-Mahdgut durchgeführt, um eine künstliche Düne zu einer kleinen Heidefläche zu entwickeln. Und mit dem Umweltamt der Stadt Bielefeld haben wir gemeinsam einen Infoflyer zum Thema „Beleuchtung“ in privaten Gärten herausgegeben.
Blühwiesen für Insekten sehen ja oft etwas wilder aus, als man es gewohnt ist. Das gefällt nicht allen – wie gehen Sie mit Akzeptanzproblemen um?
Mit Akzeptanzproblemen hatten wir im Projekt bisher gar kein Problem. Im Gegenteil: Wir haben eher den Eindruck, dass wir mit unserem Projekt auf sehr großes Interesse stoßen. Die meisten Personen, die sich für eine naturnahe Gartengestaltung interessieren, haben auch kein Problem damit, dass der Garten etwas wilder aussieht. Und alle, die es eher ordentlich möglich, können auch durch Bepflanzung mit heimischen Wildstauden und durch das Aufstellen von ästhetisch ansprechenden Nisthilfen durchaus einen „ordentlichen“ Garten haben.
Welche Arten profitieren besonders von den Maßnahmen im Projekt?
Die Maßnahmen im Projekt „BieNe“ sind auf blütenbesuchende Insekten ausgerichtet, im Wesentlichen also auf Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und Käfer. Eine Leitgruppe sind für uns die Wildbienen. Sie haben ein positives Image in der Bevölkerung, sie sind auch in Gärten gut vertreten und es gibt unter ihnen einen hohen Anteil gefährdeter Arten, die man mit kleinen Maßnahmen gut fördern kann. Und man sollte auch nicht vergessen, dass mehr Insekten auch ein besseres Futterangebot bedeuten, zum Beispiel für Vögel und Fledermäuse.
Und was haben die Menschen in Bielefeld konkret davon?
Mehr Insektenvielfalt im eigenen Garten bedeutet eine bessere Bestäubung von Obstbäumen und Gemüsepflanzen. Viele Insekten sind Nützlinge, so dass die biologische Schädlingsbekämpfung im Garten verbessert wird. Außerdem ist ein insektenfreundlicher Garten insgesamt stabiler und widerstandsfähiger. Und es bedeutet mehr Lebensqualität: Blühende, summende Gärten wirken entspannend, sie fördern Naturerleben, steigern das Wohlbefinden und reduzieren Stress.
Was ist für die Zukunft des Projekts geplant?
Bisher wurden die meisten Beratungen bei Privatpersonen mit einem eigenen Garten durchgeführt. In Zukunft wollen wir etwas stärker auf Einrichtungen zugehen, die eine größere Multiplikatorenwirkung haben. Das können weitere Kleingartenvereine und Schulen sein, aber auch Firmen, über die man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erreichen kann.
Welche Lessons Learned möchten Sie ähnlichen Projekten gerne mitgeben?
Mit einem niedrigschwelligen Ansatz kann man mehr erreichen, als mit großen Erwartungen, die oftmals nicht erfüllt werden können. Ob man einen kleinen Balkon, wenige Quadratmeter im Garten oder bereits einen großen Naturgarten hat, jeder ist in diesem Projekt willkommen. Hauptsache ist, dass man aktiv wird – Praxis wirkt stärker als Theorie.
Eine gute Vernetzung der Akteure fördert den Austausch und die Zusammenarbeit. Dafür ist zwar ein gewisser Personaleinsatz seitens des Projektträgers erforderlich, der sich aber auszahlt, weil gut informierte und gut betreute Projektpartner oftmals selbst als Multiplikatoren in ihren jeweiligen Netzwerken wirken – Kooperation ist entscheidend.
Je vielfältiger die Gruppe der Projektpartner zusammengesetzt ist, desto interessanter ist es für alle Beteiligten – letztlich ist Begeisterung der Schlüssel zum Erfolg.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier:
Fotos (c) Peter Rüthe, Christian Venne


