Beirat im Interview: Prof. Dr. Bernd Hansjürgens

Prof. Dr. Bernd Hansjürgens ist Leiter der Bereiche "Umwelt & Gesellschaft" und "Ökonomie" am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) – und Mitglied unseres Beirats. Wir haben ihm sieben Fragen zu seiner Motivation, seinen Erfahrungen und Empfehlungen rund um die Wiederherstellung von Ökosystemen gestellt.

Sie engagieren sich für die Wiederherstellung von Ökosystemen – bitte erklären Sie Ihre Motivation in einem Satz.

Die Ökosysteme sind unsere Lebensgrundlagen – ohne ihre Wiederherstellung gehen ökonomische Prosperität, aber auch unsere Lebensgrundlagen verloren.

Worin sehen Sie die größten aktuellen Handlungsbedarfe bei der Wiederherstellung von Ökosystemen?

Es bedarf des phasing-out von ökosystem-schädigenden wirtschaftlichen Aktivitäten und eines phasing-in von ökosystemschonenden wirtschaftlichen Aktivitäten – nur so kann der notwendige Kurswandel mit Blick auf unsere zukünfigen Lebensgrundlagen erreicht werden

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden auf dem Weg zur Wiederherstellung?

Machtstrukturen, einseitige Interessenlagen des Ressourcenverbrauchs, Gewohnheit, fehlende finanzielle Mittel.

Wie sollten wir als Land diesen Hürden begegnen?

Wir sollten konzertiert die Voraussetzungen schaffen, um einen transformativen Wandel anzugehen, wer weitreichend ist (nahezu alle wirtschaftlichen Bereiche erfasst), fair ((indem die Nutzen und Kosten dieses Wandels breit auf viele Schultern verteilt werden) und zukunftsgerichtet (indem die Perspektiven der nachfolgenden Generationen eingenommen werden). Die Hürden liegen im intensiven Energie- und Ressourcenverbrauch einiger weniger; in der Tatsache, dass dies nicht nur hingenommen, sondern für richtig befunden wird; in der Fehlallokation von öffentlichen wie auch privaten Mitteln in falsche Kanäle.

… und wo liegen die größten Chancen?

Vordergründig im Erhalt der Ökosysteme und ihrer Leistungen für uns und für nachfolgende Generationen. Darüber hinaus aber auch in verstärkter Resilienz gegenüber Klimawandel und Naturgefahren, neuen ökonomischen Opportunitäten auf neu entstehenden Märkten

Was kann jede*r Einzelne dazu beitragen, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen gelingt?

Sich besinnen, konzentrieren, nachdenken und überlegen --- dann auf das eigene Verhalten und das der Familie schauen, auf die tagtäglichen kleinen Entscheidungen über Wohnen, Heizen, Mobilität, Einkaufen, Reisen, Verbrauchen… dann in gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen überlegen, was geht, wo Ansatzpunkte sind. Es geht nicht um ein Heute-auf-Morgen – es geht um dynamische Lebenswandel-Prozesse über Generationen hinweg.

Welche Botschaft möchten Sie allen mitgeben, die sich für Wiederherstellung einsetzen?

Verliert nicht den Mut! Die Sache ist es wert!


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