Online-Dialog zur Naturschutzkommunikation der Zukunft - Aufzeichnung

Videomitschnitt Online-Dialog: Naturschutzkommunikation der Zukunft - Was überzeugt die gesellschaftliche Mitte von Wiederherstellung?

Rund um diese Frage drehte sich der Online-Dialog am 2. Oktober, der von Dr. Eckart von Hirschhausens Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen" gestaltet wurde.
Im Fokus standen folgende Frage:

  • Welche Botschaften schaffen Akzeptanz für Naturschutz und Wiederherstellung?
  • Welche Rolle spielen dabei Gesundheitsaspekte?
  • Wie können wir Ökosystemleistungen zielgruppengerecht und verständlich vermitteln?

Als Praxisbeispiel wurde die Kampagne „Echte Leistungsträger“ vorgestellt. Sie möchte mit überraschenden Fakten über Tiere und Pflanzen den Wert der Natur neu ins Bewusstsein der Menschen und der Entscheider*innen in Politik und Wirtschaft bringen. Nachstehend können die Vorträge angesehen werden.
Unter den Videomitschnitten finden Sie außerdem die Antworten der Stiftung auf Fragen von Teilnehmenden, die aus Zeitgründen nicht mehr im Rahmen des Termins beantwortet werden konnten.

Bei diesem Video handelt es sich um einen externen Inhalt, der über den YouTube-Dienst von Google bereitgestellt wird. Mit Ihrem Einverständnis bestätigen Sie, das wir Sie mit den YouTube-Servern verbinden dürfen, um das Video abzuspielen.
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Offen gebliebene Fragen der Teilnehmenden, beantwortet durch die Stiftung "Gesunde Erde - Gesunde Menschen"

  • Wurde im Rahmen der Befragung erfasst, ob die Teilnehmenden die Unterschiede zwischen Klima-, Umwelt- und Naturschutz kennen? Wurden diese Begriffe im Vorfeld erläutert oder definiert?
    Nein,das haben wir nicht erfragt. Wir haben nur erfragt, wie bekannt die Begriffe „Artenvielfalt“, „Biodiversität“ und „biologische Vielfalt“ sind (siehe Folien).
  • Wie viele der untersuchten Botschaften thematisierten direkt wirtschaftliche Aspekte, beispielsweise wirtschaftlichen Aufbau, Umsetzung oder Auswirkungen?
    Von 14 untersuchten Botschaften thematisierten drei direkt wirtschaftliche Aspekte:
    “Saubere Energie und eine Wirtschaft, die sparsam mit Rohstoffen umgeht – das sind Investitionen in die Zukunft. Damit bleibt Deutschland wirtschaftlich stark und kann international mithalten.”
    “Dürre und Extremwetter zerstören unsere regionalen Ernten. Wir werden abhängig von teuren Importen. Ohne Klima- und Umweltschutz verlieren wir die Kontrolle über unsere Lebensmittel und bezahlen immer mehr.”
    “Überflutungen und Stürme zerstören Straßen, Bahnen und bedrohen unsere Infrastruktur. Wir müssen Klima und Umwelt schützen, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern.”
    Zusätzlich gab es Botschaften, bei denen es einen indirekten Zusammenhang mit wirtschaftlichen Aspekten gibt, beispielsweise über Ersparnisse in der Mobilität.
    "Gute Radwege, Leihfahrräder und ein Nahverkehr, der wirklich funktioniert – das bringt uns schnell und günstig von A nach B. Und spart den Familien richtig Geld, macht weniger Lärm und ist sicherer."
    "Ich fahre immer öfter mit dem E-Bike zur Arbeit. Hält mich fit und spart Spritgeld. Gut für mich und gut für die Umwelt."
  • Zeigen die Ergebnisse der Umfrage von 2026, dass mehr Menschen die Zusammenhänge zwischen Natur-, Klima- und Wirtschaftsthemen verstehen als in früheren Erhebungen?
    Über die direkten Zusammenhänge zwischen Natur-, Klima- und Wirtschaftsthemen können wir keine Aussage treffen. Die Ergebnisse aus unserer Umfrage im August und September 2025 zeigen tendenziell eher eine leichte Abnahme des allgemeinen Problembewusstseins für den Klimawandel seit der Hochphase im Jahr 2021. Gleichzeitig sind die Sorgen vor Extremwetterereignissen, also konkreten Folgen des Klimawandels, größer als die Sorge vor dem Klimawandel als abstraktem Phänomen. Das zeigt, dass ein hohes Problembewusstsein nicht automatisch bedeutet, dass die verschiedenen Zusammenhänge auch miteinander verknüpft werden. Andere Studien zeigen beispielsweise, dass Menschen Extremwetterereignisse nicht automatisch mit dem Klimawandel in Verbindung bringen oder daraus unmittelbar veränderte Einstellungen und Verhaltensweisen ableiten. Genau hier liegt aus unserer Sicht eine wichtige Aufgabe der Kommunikation: die Zusammenhänge zwischen Natur, Klima und Wirtschaft konkreter und greifbarer zu machen.
  • Welche soziodemografischen Merkmale wurden neben dem Alter untersucht?
    Folgende soziodemografischen Merkmale wurde untersucht: Geschlecht, Wohnort (Stadt/Land und Ost/West), Bildungsgrad, Einkommen, Familienstand, ob die Personen Kinder und/oder Enkelkinder haben sowie das Alter.
  • Wurde auch die wahrgenommene Glaubwürdigkeit oder Überzeugungskraft von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen erfasst?
    Nein, das Vertrauen in Umweltverbände und Bürgerinitiativen haben wir nicht abgefragt.
  • Wurden bei den Daten zu hitzebedingten Todesfällen Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren, beispielsweise hinsichtlich Alter oder Vorerkrankungen, berücksichtigt?
    Nein, wir haben bei der Frage über die negativen Folgen des Klimawandels nicht weiter zwischen den betroffenen Bevölkerungsgruppen bei den hitzebedingten Todesfällen unterschieden. Es zeigt sich aber, dass Zahlen und Fakten wie hitzebedingte Todesfälle in den Fokusgruppen besonders aktivierend sind.
  • Wann wurde die zugrunde liegende Umfrage durchgeführt?
    Die Fokusgruppen fanden im Juli 2025 statt, die bundesweite Online-Umfrage von August 2025 bis September 2025.
  • Welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bietet das Konzept des „Naturkapitals“?
    Umfragen zeigen immer wieder, dass die eigene wirtschaftliche Lage die Menschen in Deutschland stark beschäftigt, viele Sorge vor sozialem Abstieg haben und Klimaschutz als etwas wahrgenommen wird, das man sich auch leisten können muss. Vor diesem Hintergrund bietet das Konzept des Naturkapitals einen zusätzlichen Blickwinkel: Es macht sichtbar, wie eng Wirtschaft und Natur miteinander verknüpft sind und wie sehr wirtschaftliche Wertschöpfung von einer intakten Natur abhängt. Artenvielfalt, funktionierende Ökosysteme und ihre Leistungen sind letztlich die Grundlage vieler wirtschaftlicher Aktivitäten. Natur ist damit nicht nur ein schützenswertes Gut, sondern auch eine ökonomische Voraussetzung und ein wesentlicher Faktor für unseren Wohlstand. Das Konzept des Naturkapitals hilft, diese Abhängigkeiten sichtbar und verständlich zu machen.
  • Welche Rolle spielt das Thema Selbstwirksamkeit in der Naturschutzkommunikation? Welche konkreten Handlungsmöglichkeiten können Einzelpersonen und Gemeinschaften ergreifen?
    Selbstwirksamkeit ist aus unserer Sicht sehr wichtig: Wenn Menschen erleben, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann, motiviert das dazu, sich weiter zu engagieren. Individuelle Entscheidungen und gesellschaftliches Engagement können zudem wichtige Signale an Wirtschaft und Politik senden – und haben in der Vergangenheit durchaus Veränderungen angestoßen. Gleichzeitig dürfen wir die Verantwortung nicht allein auf Einzelpersonen abwälzen! Die großen Hebel liegen eindeutig bei Politik und Wirtschaft, denn heute ist der nachhaltigere Weg häufig noch der schwierigere oder teurere. Dabei sollten auch diejenigen mit besonders großem Ressourcenverbrauch entsprechend stärker in die Verantwortung genommen werden.
  • Wie können insbesondere junge Menschen für Natur- und Umweltschutzthemen erreicht und motiviert werden?
    Wichtig ist aus unserer Sicht, unterschiedliche Zugänge zu schaffen und Natur- und Umweltschutz stärker mit Themen zu verbinden, die für (junge) Menschen unmittelbar relevant sind: Lebensqualität, Gesundheit, wirtschaftliche Perspektiven oder die Frage, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen soll. Gleichzeitig engagieren sich bereits sehr viele junge Menschen, Fridays for Future hat beispielsweise viel bewegt. Die Frage ist daher vielleicht weniger eine des Alters als vielmehr, wie wir auch Menschen erreichen, die bisher weniger Berührungspunkte mit den Themen haben.

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